BUND Ortsgruppe Idstein - Waldems

Stellungnahme 1 der Naturschutzverbände zum Bebauungsplan Am Holdersberg Oberauroff

Seitens der oben genannten Naturschutzverbände werden gegen die vorliegende Bauleitplanung mit den beiden Planungsvarianten erhebliche Bedenken vorgebracht. Von der geplanten Bebauung ist der weite Talraum des Auroffer Baches betroffen. Die Planungsvarianten befinden sich im Außenbereich am Rande der bebauten Ortslage. Beide Planungsvarianten führen zu einem erheblich Eingriff in Natur und Landschaft. Es ist ein erheblicher Eingriff in die Klimafunktionen des Bachtales und in das Orts- und Landschaftsbild bzw. in die Kulturlandschaft zu erwarten. Die geplante Bebauung riegelt das Bachtal in Ergänzung des Dorfgemeinschaftshauses weiter ab und beeinträchtigt nicht nur die Klimafunktionen des Bachtales, sondern auch die ortsnahe Erholungsfunktion. Der Talbereich des Auroffer Baches wird im Landschaftsplan der Stadt Idstein (Karte 13) vollständig als eine „Landschaftsbildprägende Struktur“ bewertet und muss offen gehalten werden.

 

Es sind weiterhin Beeinträchtigungen der Artenvielfalt zu befürchten. Auch eine mäßig artenreiche Wiese bzw. Bachaue, die in unserer Region immer seltener wird, erfüllt einen ökologischen Beitrag als Lebens- und Nahrungsraum für wilde Tiere. Nach unseren Informationen befinden sich in der Aue des Aueroffer Baches Vorkommen des europarechtlich geschützten Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings (Phengaris nausithous). Daher ist jede Wiese im Bereich der Aue potenziell oder sogar aktuell Habitat dieser Art, was untersucht werden muss.

 

Unseres Erachtens erfüllt die geplante Bebauung des betreffenden weiten Talraums in Anbetracht der Siedlungsstruktur nicht die Kriterien der Innenentwicklung im Sinne von § 13 a BauGB. Es handelt sich nicht um eine Baulücke in einem geschlossenen Siedlungsgebiet, eine Nachverdichtung oder um eine Wiedernutzbarmachung von Flächen. In dieser Hinsicht kann die Beurteilung der geplanten Bebauung als Maßnahme der Innenentwicklung nicht nachvollzogen werden. Die Talaue ist als Außenbereich zu behandeln und ist nicht als Teil des Siedlungsgebietes zu betrachten. Gegen das Bauleitplanverfahren als Maßnahme der Innenentwicklung, mit der Kosequenz des Verzichtes auf einen Umweltbericht, dem Verzicht auf eine naturschutzrechtliche Eingriffsregelung (keine Zuordnung dezidierter Ausgleichs- oder Ersatzmaßnahmen) sowie einer einfachen Anpassung an den Flächennutzungsplan, bestehen erhebliche Bedenken.

 

Wie schon in der Begründung im Abschnitt 3.1 (Seiten 7 – 10) festgestellt wird, befindet sich der Planungsraum im Vorbehaltsgebiet für besondere Klimafunktionen und im Vorrangegebiet Regionaler Grünzug (Regionalplan Südhessen 2010). Gemäß der regionalen Zielsetzung Z4.3-2 darf die Funktion des Regionalen Grünzuges nicht durch andere Nutzungen beeinträchtigt werden. Planungen und Vorhaben, die unter anderem zu einer Beeinträchtigung der Gliederung von Siedlungsgebieten, des Wasserhaushaltes, oder der Freiraumerholung sowie der Veränderung der klimatischen Verhältnisse führen können, sind im Regionalen Grünzug nicht zulässig. Wir sind der Auffassung, dass die geplante Bebauung des Auroffer Bachtales den Regionalen Grünzug in den vorgenannten Funktionen erheblich beeinträchtigen wird. Diese Beeintächtigungen können durch die vorgesehenen Kompensationsflächen nicht ausgeglichen werden, da der für die geplante Bebauung benspruchte Auenbereich zur Erhaltung der natürlichen Ressourcen, der Kulturlandschaft und der klimatischen Funktionen offen gehalten werden muss.

 

Im rechtskräftigen Flächennutzungsplan der Stadt Idstein wird der betreffende Auenbereich bewusst von der Bebauung ausgenommen und als Fläche für die Landwirtschaft / Bachaue dargestellt. Durch die Darstellung einer Siedlungsgrenze im Flächennutzungsplan ist der Bereich von einer Besiedelung ausgeschlossen. Die Abbildung Nr. 7 der Begründung (Seite 13) ist unvollständig, da im Flächennutzungsplan auch entlang des Weges „Am Holdersberg“ eine Siedlungsbegrenzung dargestellt ist. Aus unserer Sicht wird der vorliegende Bebauungsplanentwurf in beiden Varianten nicht aus dem Flächennutzungsplan / Landschaftsplan entwickelt, wie es gemäß § 8 Abs. 2 BauGB erforderlich ist. Wie bereits dargelegt, ist eine Innenentwicklung im Sinne von § 13 a BauGB unseres Erachtens hier nicht gegeben.

 

 

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag

gez. Becker

Stellungnahme der Naturschutzverbände zum Baugebiet Holdersberg in Oberauroff

Ihre Nachricht vom 12. Mai 2021, Stellungnahme vom 01. Dez. 2020

hier: Erneute Stellungnahme der Verbände

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

die oben angeführten, nach dem BNatSchG anerkannten Verbände, bedanken sich für die Zusendung der Planunterlagen. Im Auftrag der Verbände gebe ich nach Prüfung der Unterlagen und einer Ortsbesichtigung dazu die nachfolgende Stellungnahme ab:

Zur oben bezeichneten Bauleitplanung haben die anerkannten Naturschutzverbände mit Schreiben vom 01. Dezember 2020 eine ausführliche Stellungnahme abgegeben und erhebliche Bedenken gegen die geplante Bebauung in der Aue des Auroffer Baches vorgebracht. Die grundsätzlichen Bedenken gegen die geplante bauliche Nutzung der Talaue werden mit der erneut vorgelegten Planung nicht ausgeräumt. Wir sind im Gegensatz zu den Bewertungen des Umweltberichtes der Aufassung, dass die geplante Bebauung zu erheblichen Eingriffen in Natur und Landschaft führt, die an der betreffenden Stelle nicht tolerierbar und auch nicht nur von geringem Ausmaß sind (vgl. Umweltbericht, Kapitel 6: „Auswirkungsanalyse“). Wir verweisen daher auf unsere Stellungnahme vom 01. Dezember 2021 und halten unsere grundsätzlichen Bedenken gegen die geplante Talraumbebauung weiterhin aufrecht.

 

Der östliche Teilbereich des Planungsgebietes wird im „Zusammenhang bebauter Ortsteile“ (§ 34 Abs. 1 BauGB) als „Innenbereich“ klassifiziert und behandelt. Diese Entscheidung ist aus der Sicht der Naturschutzverbände allerdings nicht nachvollziehbar, da es sich unseres Erachtens nicht um eine typische „Innenentwicklung“ im Sinne von § 1a Abs. 2 BauGB handelt, wie z.B. Brachflächen, verfestigte Flächen, Baulücken oder Nachverdichtungsbereiche. Es handelt sich auch bei der östlichen Teilfläche vielmehr um eine ökologisch wertvolle Talaue, die offen gehalten werden muss. In dieser Hinsicht bestehen auch erhebliche Bedenken dagegen, dass nur für den westlich Teilbereich des Planungsgebietes die Eingriffsregelung mit einer Eingriffs- und Ausgleichsbilanzierung angewendet wird. Damit ist beabsichtigt, den geplanten Eingriff in Natur und Landschaft nicht vollständig auszugleichen, was bedauert wird.

 

 

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag

Gez. Becker

Hans-Joachim Becker

NABU Gruppe Idstein e.V.

Stellvertretender Vorsitzender

Neues Baugebiet in Heftrich - viel zu groß?

Schon viele Jahre ist ein Neubaugebiet im Idsteiner Ortsteil Heftrich im Gespräch und mit einer Größe von 1,5 ha im Flächennutzungsplan ausgewiesen. Lange Zeit wurde es durch die Hochspannungsleitung verhindert, die quer durch das vorgesehene Baugebiet führte. Diese wurde vor einigen Jahren abgebaut, und nun ist das Neubaugebiet aktuell. Jedoch sieht die neue Planung nicht nur eine Größe von 1,5 ha vor, sondern plötzlich von 5 ha, also mehr als eine Verdreifachung. Ein Ort von 1580 Einwohnern (2020) soll plötzlich etwa 400 Neubürger bekommen. Das steht in keinem Verhältnis, ganz unabhängig von der fehlenden Infrastruktur. Ein moderates Wachstum ist so nicht zu erreichen. Was kommt, ist eine neue Schlafstadt als Satellit des Ortsteils. Für den Naturschutz ist es wichtig, dass diese Siedlung in den ehemaligen Obstwiesenring um das Dorf gebaut werden soll, und gerade Heftrich ist im ganzen Kreis für seinen noch weitgehend intakten Obstwiesenbestand bekannt. Eine so große Vernichtung der Wiesenflächen ist auch ökologisch als sehr bedenklich anzusehen.

Unser Ziel: Erhalt der Natur als unserer Lebensgrundlage

Der BUND Idstein setzt sich für den Erhalt der Natur ein, und zwar sowohl im lokalen als auch im globalen Zusammenhang. So ist z.B. in Zeiten des Klimawandels der Erhalt unseres Waldes vor Ort genauso wichtig wie der Erhalt der Wälder weltweit. Die lokale Politik muss also inbezug auf diesen Aspekt nachhaltig wirtschaften, indem sie einerseits Tropenholz meidet und alternative Energien fördert, andererseits dies aber nicht auf Kosten unseres Stadtwaldes tut und auf den Erhalt und die Aufwertung unserer Waldflächen achtet. Denn nur lebendige, wachsende Bäume binden CO2 in dem Maße, wie wir es brauchen.